Familien (2/2016)

Familien

Ross, Susan A. | Borgman, Erik | Nadar, Sarojini | Cahill, Lisa Sowle

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Evangelium und Familie

D’Angelo, Mary R.

In den biblischen Texten wollen »Evangelium« und »Familie« nicht so recht zusammenpassen. Die meisten Aussagen über Familie, die Jesus zugeschrieben werden, gelten unter Wissenschaftlern als »familienfeindlich«, und Paulus gibt dort, wo es um den Dienst am Evangelium geht, der zölibatären Lebensweise ausdrücklich den Vorzug. Aufgrund innerfamiliärer Konflikte, der imperialen Ideologie und aus Sorge um die sexuelle Integrität wehrten sich die frühen Christen mit »Familienwerten« gegen den Vorwurf, »Beziehungskiller« zu sein. Um aus den Texten gute Nachrichten für die Familien herauszulesen, bedarf es einer auf Laudato si’ gestützten Hermeneutik, die Herrschaft und Unterwerfung gleichermaßen ablehnt und allen zu ein und derselben Gerechtigkeit rät: Liebt einander, aber unterwerft euch nicht und habt keine Angst.

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Von vielen Tellern essen

Orobator, Agbonkhianmeghe E.

In diesem Beitrag wird die Praxis der Polygamie in Afrika untersucht, und die Argumente für und gegen sie werden abgewogen. Polygamie gilt als pastorale Herausforderung, wobei sich die christlichen Reaktionen zwischen Ambivalenz, Anpassung und Widerspruch bewegen. Frauen sind auf eine Weise von Polygamie betroffen, die es rechtfertigt, ihren Stimmen in der Diskussion um die Konsequenzen besonderes Gehör zu verschaffen. In diesem Beitrag wird Polygamie als asymmetrisches System betrachtet, das Männern gegenüber Frauen bestimmte Privilegien und Ansprüche einräumt. Daneben sollen hier pastorale Möglichkeiten betrachtet werden, zu denen die Stärkung von Frauen, eine mitfühlende Haltung gegenüber Frauen in polygamen Verhältnissen sowie ökumenische Annäherungen an andere kirchliche Traditionen gehören.

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Die Familie am Scheideweg

Simeone, Domenico

Angesichts der Veränderungen der Familie in den letzten Jahren sollen die charakteristischen Aspekte des Übergangs junger Paare ins Familienleben betrachtet werden. Anhand statistischer Daten aus Italien sowie Schilderungen, wie die affektiven Beziehungen der jungen Paare gelebt werden, wie sie in die Ehe oder in andere Formen des Zusammenlebens eintreten, wie sie in den generativen Lebensabschnitt eintreten und welche Schwierigkeiten mit der Versöhnung der Arbeitspflichten und des Familienlebens sich dabei ergeben, werden die Veränderungen der letzten jahre deutlich. Diese Veränderungen konfrontieren die jungen Familien mit bisher unbekannten Herausforderungen und eröffnen gleichzeitig zumindest die Möglichkeit, eine Neugestaltung der Beziehung zwischen Männern und Frauen und zwischen den Generationen zu festigen.

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Arme Familien in den Randzonen von Buenos Aires

Suárez, Ana Lourdes

Am Beispiel des Werdegangs und der Lebenssituation dreier armer Familien aus dem Stadtrand von Buenos Aires will dieser Beitrag drei Aspekte vertiefen. Zuerst wendet er sich den Dimensionen zu, die das gesellschaftliche Ausgegrenztsein der Stadtbevölkerung definieren. Zweitens untersucht er, wie der Glaube, der aus der Volksreligiosität erwächst und diese zum Ausdruck bringt, den Ärmsten Handlungsfähigkeit und Hoffnung verleiht. Drittens fragt er nach der Art und Weise, wie die Kirche die am meisten Ausgegrenzten begleitet. Hervorgehoben werden die Bedeutung des Ansatzes der Theologie des Volkes und die Situation des Ordenslebens in Gebieten mit einem hohen Maß an Ausgrenzung.

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Familien und Migration

Cruz, Gemma Tulud

Menschliche Mobilität gilt als der Motor der menschlichen Geschichte. Menschen, Gemeinschaften und Nationalstaaten haben sich gewandelt, weil Individuen oder Bevölkerungsgruppen sich zu Land, zu Wasser oder in der Luft auf den Weg gemacht haben. Familien sind über Jahrhunderte und Generationen hinweg ein Teil dieser Völkerbewegungen gewesen. In diesem Beitrag werden die Erfahrungen von Familien im Kontext der Migration untersucht, und es wird die These vertreten, dass durch Migration auseinandergerissene Familien zwar nach wie vor in Strukturen der Unterdrückung gefangen, gleichzeitig aber auch im Wandel begriffen sind, insofern sie ein neues Erscheinungsbild annehmen und neue Strategien des Zusammenhalts anwenden, um im 21. Jahrhundert eine Familie zu werden und zu bleiben.

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Die Beschäftigung afrikanischer Katholikinnen mit »Humanae Vitae«

Mapasure, Martha | Rakoczy, Susan

Die Lehre der römisch-katholischen Kirche zur Empfängnisverhütung, wie sie in der Enzyklika Humanae Vitae (1968) zum Ausdruck kommt, bleibt umstritten. In Europa und Nordamerika ist sehr viel über sie geschrieben worden, doch afrikanische Stimmen gibt es kaum. In diesem Beitrag werden die Ergebnisse von Forschungen über afrikanische Katholikinnen in Pietermaritzburg (Südafrika) vorgestellt. Im Projekt sollte ermittelt werden, inwieweit diesen Frauen die Botschaft von Humanae Vitae bekannt ist und sie ihr zustimmen. Die Antworten der Befragten werden unter Verwendung sowohl afrikanischer Sexualethiken als auch von Margaret A. Farleys bahnbrechendem Werk Verdammter Sex interpretiert. Die Ergebnisse zeigen, dass die Botschaft von Humanae Vitae den Befragten mit einer Ausnahme nicht bekannt ist, und dass das Handeln in Übereinstimmung mit der Enzyklika der Beziehung zu ihren Männern abträglich ist.

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Ein Knäuel von Gefahren

Ringer, Christophe D.

Durch die Linse des Moynihan-Berichts untersucht der Artikel die Herausforderungen, vor die sich schwarze Familien in Amerika durch Masseninhaftierung und Ungleichheit gestellt sehen. Der Betrag stellt den Moynihan-Bericht als eschatologisches Symbol dar, das es Amerika ermöglicht, gegenwärtige soziale Missstände anhand der Geschichte der Sklaverei zu interpretieren. Dem folgt eine Analyse der Kritik der Darstellung schwarzer Familien in den Medien. Der Ausblick am Ende hofft auf die weitere Entwicklung einer öffentlichen Theologie des Gemeinwohls.

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Wasser ist dicker als Blut

Weaver, Darlene Fozard

Historisch betrachtet hat die Kirche eine bedeutende Rolle dabei gespielt, die nötige Fürsorge für Waisenkinder und für andere verwundbare Kinder zu ermöglichen. Dennoch wird der Adoption und den Adoptivfamilien in katholischen Aussagen zur Familie sehr wenig direkte Aufmerksamkeit zuteil. Eine solche Vernachlässigung ist erstaunlich, da doch die Adoption ein wichtiges Motiv unseres Selbstverständnisses als Christen und unserer kirchlichen Gemeinschaft darstellt. Die theologische Bedeutung von Adoptivfamilien wird weitgehend nicht gewürdigt. Jüngere lehramtliche Äußerungen zur Adoption tendieren dazu, sie als Gegenbeispiel in den Zusammenhang von künstlicher Befruchtung, von Abtreibung und der gleichgeschlechtlichen Ehe zu stellen. Das untergräbt die Ermahnungen vonseiten der katholischen Kirche, für Waisen und verwundbare Kinder zu sorgen, und verdunkelt wichtige Themen der sozialen Gerechtigkeit rund um die Adoption. Adoptivfamilien bezeugen die Wahrheit des christlichen Taufbekenntnisses, die Bedeutung der Heilsgeschichte für das Verständnis der Schöpfung und den Vorrang der Barmherzigkeit im Leben der Christen.

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Körperliche Lebensweisen und ein LGBT-Islam als radikale Alternativen

Zahed, Ludovic-Mohamed

Unter den religiösen Führungspersönlichkeiten und den Sozialwissenschaftlern stellt man einen Dreiklang des alternativen Dialogs fest: Wer sind wir als körperlich verfasste Wesen? Was ist das Göttliche? und schließlich: Welche Haltung nehmen wir diesem Göttlichen gegenüber ein? Diese epistemologische Konstellation ist von ihrem Wesen her instabil, sie bringt gute und produktive Spannungen hervor, die notwendig sind, um über gesellschaftliche Normen zu verhandeln, die die „Abweichung“ aus der Schieflage einer verschärften Kontrolle der Geschlechter und Sexualitäten betrachten. Aus diesem Grund treten Frauen, Transidente oder HIV-Positive als Avantgarde dieses epistemologischen und historischen Veränderungsprozesses in Erscheinung.

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