Religionsfreiheit (4/2016)

Religionsfreiheit

Courau, Thierry-Marie | Babic, Mile | Chã, João J. Vila

Zum Artikel | Artikel kostenpflichtig bestellen

Das Christentum: Von der Staatsreligion zur Religionsfreiheit

Mile Babić

Sobald die religiöse Einheit, auf der die politische Einheit gründete, zusammengestürzt und es zur Pluralisierung der christlichen Religion in einem Staat gekommen war, brachen in diesem Staat Konfessionskriege aus. Um den Frieden zu erhalten, musste der Staat in religiöser und weltanschaulicher Hinsicht neutral, das heißt säkular werden, denn er gründete nicht mehr auf sakralen, sondern auf säkularen Fundamenten. Die Religion wurde vorwiegend instrumentalisiert, so wie heute die menschliche Vernunft zwecks Vergrößerung politischer und wirtschaftlicher Macht instrumentalisiert wird. Daher benötigen wir eine Säkularisierung, die das Anderssein des anderen nicht auflöst, sondern dieses Anderssein vielmehr affirmiert, und zwar im „Modus der Übersetzung“ (J. Habermas).

Zum Artikel | Artikel kostenpflichtig bestellen

Das Evangelium der Würde des Menschen. Dignitatis humanae – eine anhaltende Provokation

Siebenrock, Roman A.

Dignitatis humanae erweist sich als integraler Bestandteil des Zweiten Vatikanischen Konzils insofern es die Grundsatzentscheidungen in der Kirchen- und Offenbarungslehre in der Begegnung der Glaubenden mit Menschen anderer Überzeugungen realisiert und auf deren Vertiefung zurückwirkt. Nach der geschichtlichen Verortung und einer Interpretation der Erklärung im Gesamt des Konzils als eines Beispiels einer »Theologie in den Zeichen der Zeit« wird die bleibende Bedeutung darin gesehen, dass die Kirche nur im Dienst an der Würde und Freiheit der Menschen das Evangelium verwirklichen kann.

Zum Artikel | Artikel kostenpflichtig bestellen

Religionsfreiheit – ein umkämpftes Menschenrecht

Bielefeldt, Heiner

Religionsfreiheit ist ein umkämpftes Menschenrecht. Verletzungen dieses Rechts geschehen durch staatliche Organe oder nicht-staatliche Akteure, und sie manifestieren sich in vielfältigen Formen, die von förmlicher strafrechtlicher Verfolgung über administrative Schikanen bis zu spontanen oder orchestrierten Mobbing-Aktionen reichen. Die Täter- und Opferkonstellationen variieren von Land zu Land, wobei die größten Dramen derzeit im Mittleren Osten stattfinden. Umkämpft ist die Religionsfreiheit aber nicht nur in der Praxis, sondern auch im Grundsätzlichen. Dies zeigt sich in verschiedenen Versuchen, ihren freiheitsrechtlichen Kern zu demontieren. Unter dem Leitbegriff „Bekämpfung von Religionsdiffamierung“ wird die Religionsfreiheit in Richtung eines Ehrschutzes für Religionen, insbesondere für den Islam, verschoben. Auch eine einseitige Betonung der „negativen“ Religionsfreiheit – „freedom from religion“ – kann freiheitswidrige Konsequenzen haben. Angesichts solcher Gefährdungen verweist der Artikel auf die unverzichtbare Funktion der Religionsfreiheit im Gesamtkontext der Menschenrechte.

Zum Artikel | Artikel kostenpflichtig bestellen

Religionsfreiheit und islamische Staaten

Pisani, Emmanuel

Wie steht es um die Frage der Religionsfreiheit in den Überlegungen islamischer Denker? Zeugen die juridischen Entwicklungen, die sich auf die Verfassung beziehen oder den Personenstand inerhalb der islamischen Staaten betreffen, von einer Positionierung zugunsten der Religionsfreiheit? Dieser Beitrag hebt die Verquickung von Theologie und Politik in den islamischen Staaten hervor und analysiert ausgehend von konkreten Fallbeispielen die ersten Anzeichen einer sicherlich gefährdeten, jedoch realen Entwicklung zugunsten der Religionsfreiheit.

Zum Artikel | Artikel kostenpflichtig bestellen

Religionsfreiheit in Asien

Wilfred, Felix

Will man die Religionsfreiheit in den multiethnischen und multireligiösen Gesellschaften Asiens verstehen, muss man den konventionellen liberalen Verstehensrahmen verlassen. Die Religionsfreiheit berührt nicht nur den einzelnen Menschen und seine Wahl einer Religion, sondern ebenso die legitime Selbstentfaltung von Religionsgemeinschaften in Gestalt ihrer religiösen Identitäten, welche aufgrund sozialer, politischer, kultureller und wirtschaftlicher Gründe in Konflikt miteinander stehen. In diesem Beitrag werden drei unterschiedliche, paradigmatische Situationen in Asien skizziert, wobei jeweils auch das Zusammenspiel der Religionsfreiheit mit anderen Faktoren und Kräften beleuchtet wird. Auch geht es um einige der heiklen und zugleich interessanten Fragen, die sich im Rahmen der Dialektik der Religionsfreiheit und ihrer Ablehnung aufwerfen. Ein Thema dieses Beitrags ist darüber hinaus die lange Geschichte der religiösen Intoleranz und der Negierung der Religionsfreiheit im Westen sowie die Frage, wie das Ringen in Asien um die Religionsfreiheit dem Westen dienlich sein kann. Denn heute hat der Westen mit neuen Problemen der Religionsfreiheit zu kämpfen, weil zunehmend Menschen aus anderen religiösen Traditionen in die westliche Welt migrieren.

Zum Artikel | Artikel kostenpflichtig bestellen

Die Religionsfreiheit angesichts der systemischen Gewalt

Mendoza-Álvarez, Carlos

Der Mimesis-Theorie und Studien über Antisemitismus zufolge ist die Religionsfreiheit nicht einfach eine Frage der Gesetzgebung, sondern ein anthropologisches und strukturelles Thema: Wie können die Gläubigen hegemonialen (gesellschaftlichen, politischen, religiösen und von den Medien ausgehenden) Mächten mittels einer im 21. Jahrhundert neu konzipierten Religionsfreiheit widerstehen? Eine Ausdrucksgestalt dieses neuen Paradigmas ist der religiöse Widerstand von Indigenas in Lateinamerika und in der Karibik, aber auch der anderer ziviler Bewegungen von Opfern, die der Menschheit von der Rückseite der globalen Macht her Hoffnung erschließen.

Zum Artikel | Artikel kostenpflichtig bestellen

Religionsfreiheit als Herausforderung für Religion und Gesellschaft

Ziebertz, Hans-Georg

Das Recht auf Religionsfreiheit ermöglicht religiösen Menschen, ihre Religion frei zu praktizieren, und es schützt zugleich andere vor möglichen negativen Folgen durch Religion. Dieses Recht formuliert Grundsätze für den Umgang mit religiöser Pluralität und es ist ein zentrales Instrument für den Erhalt des sozialen und politischen Friedens. Die beste Gewährleistung der Religionsfreiheit bietet der säkulare Staat. Religionen müssen bereit sein, sich als partikulare Weltanschauungen zu begreifen, von denen keine einzelne in einer pluralistischen Welt als universale politische und juridische Ordnung in Frage kommt. Damit die Menschenrechte universale Geltung beanspruchen können, sind sie bewusst nicht-religiös, aber nicht antireligiös konzipiert, sodass Religionen sie unterstützen können.

Zum Artikel | Artikel kostenpflichtig bestellen

Die bleibende Bedeutung der Religionsfreiheit

Borgman, Erik

Religionsfreiheit ist wichtig, weil wir der Wahrheit und der Gerechtigkeit verpflichtet sind und nicht der Vorstellung von der Wahrheit und der Gerechtigkeit, die unser Staat aufrechterhält,und unsere Kultur bzw. unser Eigeninteresse propagiert. Dennoch tendiert die liberale Demokratie dazu, sich selbst für die Garantin der Freiheit zu halten und von jedem zu verlangen, sich ihren Werten zu unterwerfen. Dieser Beitrag vertritt mit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte die Meinung, dass wir das Recht auf Religionsfreiheit als unveräußerlich betrachten sollten, selbst wenn uns religiöse Überzeugungen aus sehr nachvollziehbaren Gründen mit Abscheu erfüllen mögen.

Zum Artikel | Artikel kostenpflichtig bestellen