Menschliche Sicherheit (2/2018)

Menschliche Sicherheit

Becka, Michelle | Wilfred, Felix | Babič, Mile

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Menschliche Sicherheit ethisch aufladen und politisch nutzbar machen

Gillen, Erny

Der von den Vereinten Nationen politisch idealistisch geschmiedete Begriff menschlicher Sicherheit ist kaum in der Praxis angekommen. Seine Grenzen werden an zwei Fallbeispielen aufgezeigt. Sein Potenzial wird im Rahmen einer geerdeten Gegensatzlehre entfaltet. Hierzu werden die vier innovierenden Prinzipien von Papst Franziskus heuristisch eingesetzt. Um seine Kraft für den Einzelnen, die Gemeinschaft und die Institutionen entfalten zu können, wird der menschliche Sicherheitskomplex (MSK) in zusammenhängende Spannungsfelder eingebunden, um so den im isolierten UN-Begriff ausgeblendeten Kontext hinzuzufügen: Selbstreflexion, die Verbundenheit mit anderen Menschen und gerechte Institutionen. Ein so politisch gefüllter und ethisch angereicherter Begriff kann sich im Laufe der Zeit zu einem effektiven Instrument für das politische und sozialethische Handeln entwickeln, bei dem die menschliche Sicherheit kritisch mit den Höhen und Tiefen seiner Freiheitsgeschichte verbunden bleibt.

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»Ein feste Burg ist unser Gott«

Quinn, Regina Ammicht

Sicherheit ambivalent: Zum einen ist Sicherheit ein hoher Wert, sodass die Herstellung und Erhaltung von Sicherheit geboten ist. Ohne ein Grundmaß an Sicherheit ist keine Handlungsplanung möglich, keine grundlegende kulturelle Entwicklung, keine Gerechtigkeit. Zum anderen aber sind mit der Verfolgung des Zieles „Sicherheit“ häufig Einschränkungen auf anderen Gebieten verbunden. So entpuppt sich die zunächst unproblematische Nachfrage nach mehr Sicherheit als ein klassischer Zielkonflikt zwischen verschiedenen Gütern wie Sicherheit, Freiheit, Gerechtigkeit und Privatheit. Die Herstellung von Sicherheit ist damit nicht einfach „gut“. Die heutigen säkularen Sicherheitswünsche -strategien und -handlungen haben eine eigene religiöse Geschichte. Machen wir uns diese Geschichte bewusst, lässt sich Religion auch als Anleitung zu einer – dringend nötigen – Verunsicherungskompetenz verstehen.

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Zwischen Angst und Fülle

Wenzel, Knut

„Being safe is scary“: Banu Cennetoglus Installation 2017 auf der Documenta 14 offenbart eine fundamentale Ambivalenz des Wunsches nach oder der Wirklichkeit von Sicherheit. Die Ambivalenz der menschlichen Existenz ist der zentrale Grund, weshalb es Theologie gibt. Eine Theologie der Sicherheit wird zunächst das Bedürfnis nach Sicherheit vom Diskurs über Sicherheit unterscheiden und dabei den Vorrang des Bedürfnisses im Verhältnis zum Diskurs darüber betonen. Zum zweiten wird sie Gründe dafür anführen, dass auf der Grundlage dieser Unterscheidung eine breitere, relativ unbestimmte Perspektive hinsichtlich menschlicher Bedürfnisse angestrebt ist, um eine Reinterpretation zu ermöglichen. Schließlich und endlich wird gezeigt, dass ein biblisch fundiertes Verständnis dieses Bedürfnisses nicht das einer knappen Ressource von Sicherheit ist, sondern von Überfluss, der sich aus dem theologischen Zusammenhang von Schöpfung und Gnade speist.

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»Der Ertrag der Gerechtigkeit sind Ruhe und Sicherheit für immer« (Jesaja 32,17)

Kessler, Rainer

In der Welt, der die biblischen Texte entstammen, ist das Gefühl der Unsicherheit so groß wie heute. Es handelt sich um individuelle Verunsicherung durch Krankheit und Tod, durch feindselige Nachstellungen und wirtschaftlich prekäre Situationen, aber auch durch kollektive Ereignisse wie Naturkatastrophen, Missernten und Kriege. Dagegen richtet sich die Hoffnung auf Gott als sicheren Ort, was in vielfältigen Metaphern ausgedrückt wird (Burg, Fels, schützende Flügel usw.). Die Hoffnung beschränkt sich nicht auf eine Flucht aus der Welt, sondern umfasst die Erwartung, dass Gott aktiv in die Verhältnisse eingreifen wird. Das Ideal ist, dass die Einzelnen sowie das Volk Israel in Sicherheit wohnen können. Dabei wird deutlich, dass solche Sicherheit nicht durch Eroberung und Unterwerfung fremder Völker erreicht werden kann, sondern nur, wenn im Inneren der Gesellschaft Gerechtigkeit herrscht und weltweit ein Friede, der alle Völker umfasst.

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Kirche und Sicherheit in Argentinien

Ruz, Matías Omar

Das Verhältnis der katholischen Kirche in Argentinien zur Sicherheit weist eine umstrittene Geschichte auf, die mehrere Phasen umfasst. In den letzten sechzig Jahren war Argentinien verschiedenen Ideologien ausgeliefert, die bittere Folgen hatten. Einige dieser Ideologien, vor allem all das, was schließlich zur letzten Militärdiktatur führte, hatten die Doktrin der nationalen Sicherheit zur Grundlage, die auf theoretischer und praktischer Ebene als Heilmittel gegen das Übel fungierte, das der Diagnose der Militärregierungen und der Hierarchie der Kirche zufolge das Land heimsuchte: der Marxismus und der Kommunismus. Jahrzehnte später scheint die Kirche aus ihrer eigenen Geschichte gelernt und ihre Vorstellung von Sicherheit weiter gefasst zu haben. Es geht nun nicht mehr darum, den Menschen vor „fremden“ Ideologien zu bewahren, sondern vielmehr darum, seine grundlegenden Rechte zu gewährleisten. Einige aktuelle Beispiele illustrieren den Wandel der Kirche in Bezug auf die Sicherheit.

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Unterwegs zu einer Theologie der menschlichen Sicherheit

Fung SJ, Jojo M.

Dem Konzept von menschlicher Sicherheit geht es um den Schutz der grundlegenden Freiheiten und die Förderung der gesellschaftlichen Prozesse, die das Überleben der Verwundbarsten gewährleisten und ihnen einen Lebensunterhalt in Würde sichern. Die Theologie, die sich in Auseinandersetzung mit diesem Konzept entwickelt, sieht Gott als den Grund der menschlichen Sicherheit, als den, der einen Bund mit den Menschen geschlossen hat und auf ihre Schreie hört. Heute spornt Gott die Kirche und verwandte Institutionen an, eine prophetische Rolle angesichts anhaltender Brutalität zu übernehmen. Jede Verletzung der Menschenwürde ruft Kirche und Zivilgesellschaft zu politischer Aktion, die sich aus der aufständischen Kraft des Kreuzes und der des Auferstandenen speist.

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Vertreibung in Kolumbien: Der Verlust aller Sicherheiten

Mendoza, Pilar

Das Phänomen der Vertreibung in Kolumbien als Ergebnis eines mehr als sechzig Jahre währenden bewaffneten Konflikts nimmt auch noch nach der Unterzeichnung des Friedensvertrags mit der Guerilla-Gruppe FARC weiter zu. Die Vertreibung führt nicht nur zum Verlust einer Bleibe, sondern bedeutet im weiteren Sinne den Verlust der existenziellen Sicherheit, denn es gehen darüber hinaus affektive, kulturelle und soziale Beziehungen verloren. Trotz alledem hat diese Tatsache die Neuorganisation der Gesellschaft als eine Form des Widerstands und des Überlebens der Gefahr hervorgebracht. Dies ist ein Beleg für die fundamentale Rolle der Zivilgesellschaft beim Aufbau des Friedens und macht aus den Opfern dieser Geißel Protagonisten des Wandels und der Transformation der Gesellschaft.

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Die Auswirkungen von Unsicherheit und Gewalt auf die menschliche Sicherheit

Opongo, Elias

Afrikas Sicherheitslandschaft erlebt rasche Veränderungen – „die alten“ Bedrohungen der Sicherheit der Menschen wandeln sich zu komplexen „neuen“ Problemlagen. Zwar wird die zunehmende Ausbreitung menschlicher Unsicherheit auf dem Kontinent nicht infrage gestellt, aber die Zusammenhänge von Unsicherheit, bewaffneter Gewalt und sich daraus ergebender Instabilität im afrikanischen Kontext werden in der gängigen Literatur kaum diskutiert. Die Einsicht in diese Zusammenhänge könnte den Blick frei machen für konkrete Möglichkeiten in den Ländern südlich der Sahara, das wirtschaftliche Gedeihen zu stärken, die bewaffnete Gewalt zu bekämpfen und auf diese Weise die Herausforderung durch die menschliche Unsicherheit anzugehen. Von besonderer Bedeutung sind hierbei die arbeitslosen Jugendlichen, die den Anwerbeversuchen von Milizen und terroristischen Gruppen am wehrlosesten gegenüberstehen.

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Von bescheidener Sicherheit zu unsicherer Freiheit

Kaplánek, Michal

Die europäische Gesellschaft ist in den letzten Jahren gespalten, im politischen wie auch im kirchlichen Bereich. Zum besseren Verstehen dieses Phänomens bietet der Autor eine Reflexion über den schwierigen Weg der postkommunistischen Gesellschaften von einer „bescheidenen Sicherheit“ des sog. realen Sozialismus zu einem demokratischen politischen System, das aber voll von Unsicherheiten ist. Heutzutage schaut es so aus, als ob manche Christen lieber auf Freiheit und Barmherzigkeit innerhalb der Kirche verzichten würden, als eine Verunsicherung zuzulassen. Die gegenwärtige Polarisierung wird interpretiert als ein Konflikt zwischen Materialismus und Postmaterialismus im Sinne Ingleharts. Während sich die Materialisten im Staat und in der Kirche nach den herkömmlichen Sicherheiten sehnen, glauben die Postmaterialisten viel mehr an die positive Wirkung und an die Zukunft der Demokratie. Es gibt auch Katholiken, die ihre Sicherheit in der Fixierung auf die Beibehaltung der vergangenen Formen der Liturgie und der binnenkirchlichen Umgangskultur sehen. In diesem Kontext stellt die Evangelisierung für den Autor keinen Weg zurück zu den Sicherheiten von gestern dar, sondern umfasst die Öffnung neuer Horizonte.

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Die menschliche Sicherheit auf der koreanischen Halbinsel neu denken: Gerechten Frieden in die Tat umsetzen

Fernando, Jude Lal

Das erklärte Ziel der konkurrierenden Paradigmen nationaler Sicherheit der Hauptakteure im Korea-Konflikt sind Stabilität und Sicherheit. Dennoch kann die zunehmende militärische Aufrüstung in der Region eine Katastrophe nie dagewesenen Ausmaßes auslösen. Der Artikel hebt hervor, wie die vereinten Friedensbemühungen der nord- und südkoreanischen Kirchen hervor, die auf de n Erklärungen des WCC zum gerechten Frieden aufbauen, Auswege bereithalten, um die Wege, auf denen menschliche Sicherheit entwickelt und hergestellt wurde, erneut kritisch zu überdenken. Es ist notwendig, diese mutigen und wenig bekannten Anstrengungen dieser Kirchen zu überdenken, inmitten den tönenden Schlägen der Kriegstrommeln, die beanspruchen, menschliche Sicherheit herzustellen.

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