Entwicklung findet Stadt (1/2019)

Entwicklung findet Stadt

Büker, Markus | Krause, Alina | Hogan, Linda

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Das Jahrhundert der Städte – Transformation zur Nachhaltigkeit

Messner, Dirk

Das 21. Jahrhundert wird das Jahrhundert der Städte sein. Urbane Räume werden zur zentralen Organisationsform nahezu aller menschlichen Gesellschaften. Die weltweite Stadtbevölkerung könnte sich von heute knapp vier Milliarden bis zum Jahr 2050 auf 7,5 Milliarden Menschen vergrößern - und die urbanen Infrastrukturen werden entsprechend mit ihr wachsen. Etwa zwei Drittel der Menschheit werden dann in Städten zu Hause sein. Die Wucht des Urbanisierungsschubs betrifft vor allem Schwellen- und Entwicklungsländer in Asien und Afrika: Knapp 90 Prozent des Wachstums der urbanen Bevölkerung bis 2050 werden in diesen beiden Kontinenten erwartet (UN DESA, 2014). Dann werden dort voraussichtlich nahezu drei Viertel der globalen Stadtbevölkerung leben (UN DESA, 2015). Klimaschutzziele und die Implementierung der Agenda 2030 können nur auf der Basis von grundlegend geänderten urbanen Perspektiven und Strategien erreicht werden.

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Christen als Unruhestifter in der Stadt: Experimente und Visionen des Anfangs

Ebner, Martin

Die Formation dessen, was wir heute „Christentum“ nennen, ist in den großen Städten des Imperium Romanum geschehen. Auf dieser Folie betrachtet kommen die eigentlichen Besonderheiten des Anfangs zu Vorschein. Sie werden anhand der paulinischen Briefe und der Architektur der Gottesstadt in Offb 21f. beleuchtet.

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Gastfreundschaft leben lernen

Eckholt, Margit

Für Papst Franziskus stellt die „pastorale Umkehr“ ein zentrales Motiv der „Pastoral urbana“ dar: Referenz für die Verkündigung des Glaubens sind die Großstädte selbst und die in ihnen ablaufenden sozialen, kulturellen und religiösen Transformationsprozesse. Ein theologischer Schlüsselbegriff der „Pastoral urbana“ ist hier die „Gastfreundschaft“.

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Unsere Städte transformieren

Wilfred, Felix

Nachdem Glaube und Theologie sich lange mit Zeit und Geschichte befasst haben, sind sie heute dazu aufgerufen, sich mit Raum und Geografie auseinanderzusetzen. Der städtische Raum zeigt sich mehrdeutig: Zum einen bietet er eine Atmosphäre der Freiheit und der Gelegenheit zur Entwicklung von Fähigkeiten; zum anderen ist er ein Zufluchtsort für die Armen und Verdrängten. Die neoliberale Ökonomie hat aus dem städtischen Raum eine Wettkampfarena gemacht, in der die Armen die Verlierer sind, weil sie allenthalben Ablehnung erfahren. Die Probleme der Armen, Migranten und Flüchtlinge werden kaum angepackt, weil sich die Xenophobie hartnäckig hält und es an einer tieferen humanen Vision fehlt. Die Theologie ist deshalb aufgefordert, zusammen mit anderen Disziplinen an einer alternativen Vision des Lebens im städtischen Raum zu arbeiten, die die Träume und Wünsche der Armen und Geknechteten zum Ausdruck bringt und zu einer würdevollen menschlichen Existenz sowie einem Zusammenleben aller in Solidarität, Fürsorge und Mitgefühl beiträgt. Da unsere Städte zunehmend multikulturell und multireligiös werden, sollte die Theologie außerdem frische Perspektiven für den Pluralismus und das Zusammenleben in der gegenwärtigen Situation entwickeln, die über den traditionellen Gesellschaftsvertrag als Basis für die soziale Verfassung hinausgehen.

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Die Stadt in globaler Verantwortung

Becka, Michelle

(Groß-)Städte in Europa und insbesondere in Deutschland sind mit verschiedenen sozialen und ökologischen Herausforderungen konfrontiert. Während jedoch die sozialen Probleme vor Ort unmittelbar erkennbar sind und sich etwa in Gentrifizierung oder sozialer Segregation äußern, zeigen sich ökologische Probleme, die mit Ressourcenverbrauch und CO2-Ausstoß verbunden sind, weniger hier, sondern in anderen Teilen der Welt. Der Beitrag plädiert dafür, soziale und ökologische Fragen nicht zu trennen und stellt die Verschränkung von lokaler und globaler Verantwortung ins Zentrum. Städte spielen in der Wahrnehmung dieser doppelten Verantwortung eine besondere Rolle, wie exemplarisch an Fragen der Klimagerechtigkeit, der gesellschaftlichen Integration und an Städtenetzwerken aufgezeigt wird.

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Globalisierung, Urbanisierung und die Frage nach dem Gemeinwohl

Hogan, Linda

Die Globalisierung hat das wirtschaftliche und politische Leben der Gegenwart grundlegend verändert und neue ethische Probleme aufgeworfen. In diesem Zusammenhang stellen uns das exponentielle Wachstum der Städte und die voranschreitende Verstädterung vor neue soziale, politische und wirtschaftliche Herausforderungen. Die Schwierigkeiten, gerechte, inklusive und angemessene politische und ökonomische Strukturen zu etablieren, sind nicht geringer geworden. Die Tatsache der Urbanisierung bringt akut die Frage auf, wie man inmitten gesteigerter Vielfalt gut leben kann. Deshalb ist die Frage, wie die Städte zur Bewältigung des Pluralismus beitragen und zugleich den sozialen Zusammenhang fördern können, für die Gesellschaften der Gegenwart von entscheidender Bedeutung. Der Aufbau eines gemeinschaftlichen Lebens ist eine unerlässliche Aufgabe und muss die Eigenständigkeit von Kulturen, Traditionen und Lebenswelten respektieren.

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Befreiende Stadtentwicklung und die Südafrikanische Kirche

de Beer, Stephan

Im vorliegenden Beitrag befasse ich mich mit der (Re-)Segregation städtischer Räume, der Wohnungslosigkeit und der prekären Wohnversorgung in (Post)Apartheid-Städten. Ich stelle die These auf, dass die Kirche zunehmend die Fühlung mit der wachsenden Unzufriedenheit der städtischen Randgruppen verlieren wird, solange sie nicht alle vier der bei David Korten skizzierten Entwicklungsgenerationen aufgreift und sich zugleich von Grund auf in einem umfassenden Befreiungsengagement verortet, wie es Gustavo Gutiérrez definiert. Abschließend werde ich sieben drängende Imperative für das theologische Handeln formulieren und vorschlagen.

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Urbanisierung, Zivilgesellschaft, globaler Wandel

Stoll, Georg

Globale Trends beim Bevölkerungswachstum, bei der Entwicklung von Technik und Wirtschaft und bei der Umweltbelastung machen tief greifende Veränderungen in den kommenden Jahrzehnten wahrscheinlich. Die „Menschheit“, das virtuelle Gesamtkollektiv aller Menschen, steht deshalb vor der immensen und in dieser Form neuartigen Aufgabe, Wege zu finden, die anstehenden Veränderungen „human“ zu gestalten - ohne im Vorhinein bereits über ein gemeinsames Verständnis von Humanität zu verfügen. Bei dieser humanen Transformation spielen Städte eine besondere Rolle sowohl als Brennpunkte der globalen Trends wie auch als Transformationsakteure. Denn sie verfügen über große Potenziale für eine aktive Gestaltung der anstehenden Veränderungen. Nichtregierungsorganisationen wie Misereor müssen sich der Herausforderung stellen, ihren Ort, ihre Vorgehensweisen und ihre Strukturen angesichts der sich ändernden Konstellationen zu überdenken.

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In Würde und Freiheit leben

Zarate, Lorena

Seit über vierzig Jahren setzen sich Mitglieder der Habitat International Coalition (HIC) weltweit dafür ein, das Recht eines jeden Menschen auf einen sicheren Ort, an dem er in Würde und in Frieden leben kann, zu schützen und zu garantieren. Unsere Strategie beruht dabei auf zwei Standbeinen:Zum einen bemühen wir uns darum, die sozialen Akteure und Prozesse zu stärken. Zum anderen besteht unser Ziel darin, mittelfristige und langfristige Veränderungen durch Advocacy-Arbeit, also durch das politische Engagement für Dritte, in der öffentlichen Ordnung, dem bestehenden Rechtsrahmen und den internationalen Programmen zu bewirken. Seit ihren Anfängen ist sich die HIC der Wichtigkeit der Koordination lokaler und nationaler Aktionen mit regionaler und internationaler Präsenz bewusst, um soziale Gerechtigkeit, Geschlechtergleichstellung und ökologische Nachhaltigkeit voranzutreiben. Dazu arbeiten wir mit einem breit gefächerten Spektrum verschiedenster Akteure und Institutionen.

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Das dritte Paradies

Kusumawijaya, Marco

Der nachhaltige Planet der Zukunft wird aus »dritten Paradiesen« bestehen. Diese werden weder der ursprünglichen hegemonischen Natur im Garten Eden, dem von einem unschuldigen Adam und einer unschuldigen Eva bewohnten ersten Paradies, noch dem zweiten Paradies, der von Menschen und Gottheit(en) gemeinsam bewohnten idealen Stadt entsprechen, in der nichts mehr natürlich und alles transzendent ist. Das dritte Paradies wird auf einer wiederhergestellten Beziehung zwischen Homo sapiens und Natur beruhen. Es wird eine wiedervereinigte Stadtregion sein. In jedem dieser dritten Paradiese werden Gemeinschaften der dritten Art leben, die weder traditionell noch modern ist. Diese Gemeinschaften werden dem Staat, dem Markt und dem Begehren gegenüber kritisch eingestellt sein.

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Peripherien im Zentrum

Kohara, Luiz

Die Bevölkerungsschichten, die in den Randzonen der Metropole São Paulo, der reichsten Stadt des Landes, wohnen, leiden unter wirtschaftlicher, sozialer und territorialer Ungleichheit innerhalb der Stadt. Sie sind dazu aufgrund des Fehlens angemessener öffentlicher Dienstleistungen, von Bildung, Gesundheitsvorsorge, sozialer Fürsorge, freier Zeit, Kultur und öffentlichem Verkehr verdammt. So leben sie unter Bedingungen der Verbannung innerhalb der eigenen Stadt. Die armen Familien versuchen, in den zentralen Stadtteilen eine Bleibe zu finden, wo es eine bessere städtische Infrastruktur und verschiedene Arbeitsmöglichkeiten gibt. So finden sie Unterkünfte in den sogenannten Cortiços in äußerst prekären Verhältnissen und zu extrem hohen Kosten. Das Zentrum für Menschenrechte Gaspar Garcia kämpft seit 1988 für die Rechte dieser ausgegrenzten Bevölkerungsgruppe. Es gelang ihr, mithilfe einer Garantie des Besitzrechtes auf die Wohnung und der sozialen Eingliederung die Verbesserung der Lebensbedingungen der marginalisierten Familien zu erreichen.

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