Neue Technologien - Fluch oder Segen? (3/2019)

Die Auswirkungen der Technologie: Anthropologische Grundlagen

Dumouchel,Paul

Im vorliegenden Beitrag wird die These vertreten, dass technologische Aktivität einen grundlegenden Bestandteil dessen ausmacht, was oder wer wir Menschen als Spezies sind. Deshalb sollten die Auswirkungen der Technologie auf die natürliche und soziale Welt nicht als die Folge irgendeiner Erfindung, die wir als »Technologie« bezeichnen, sondern als die Folgen dessen betrachtet werden, was wir tun. Technologie ist nichts außerhalb unser selbst, das unser Verhalten beeinflusst: Technologie ist wesentlich die Form unserer Aktivität. Es gibt keine Technologie im Sinne einer äußeren Kraft, die unsere Welt verändert: Sie ist ein Mythos. Dieser veränderte Blickwinkel legt den Gedanken nahe, dass wir uns, um die Folgen unserer technischen Aktivität einzuschätzen, eher auf die politischen Konsequenzen technischer Neuerungen konzentrieren sollten, statt deren ethische Dimension so in den Blick zu nehmen, als würde sie für sich genommen und unabhängig von dem, was wir tun, existieren.

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Die Ideale der Menschheit im Lichte von synthetischer Biologie und künstlicher Intelligenz

Göcke,Benedikt Paul

Wir werden sehr bald nicht nur in der Lage sein, die biologische Natur des Menschen und seine Umwelt genetisch und kybernetisch zu verändern, sondern darüber hinaus imstande sein, durch den Einsatz künstlicher Intelligenzen das individuelle und gesellschaftliche Leben von der Wurzel her umzugestalten. Um diese technologischen Entwicklungen steuern und ihr Potenzial sinnvoll nutzen zu können, müssen allumfassende philosophisch-theologische Theorien entwickelt werden, die sich auf das große Ganze der Stellung und Entwicklung der Menschheit im Universum richten und uns Ideale an die Hand geben, anhand derer der negative und positive Gebrauch der neuen Technologien als Mittel zur Realisierung dieser Ideale bestimmt werden kann.

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Künstliche Intelligenzen, Roboter, biomedizinische Technik und Cyborgs: Neue theologische Herausforderungen?

Benanti,Paolo

Angesichts der großen Veränderungen, die das neue technologische Zeitalter herbeiführt, stellt sich die Frage, ob diese »neuen Artefakte« einfach nur Hilfsmittel oder ob sie womöglich »Orte« unseres Lebens sind, die ein neues anthropologisches und theologisches Nachdenken erfordern. Um hierauf Antworten zu finden, werden wir zunächst einige neue Artefakte vorstellen, die sich als Schlüsselelemente dieser Veränderungen darzustellen scheinen, und in einem zweiten Schritt versuchen, einige Anforderungen oder Fragen herauszuarbeiten, die die Verwirklichung dieser Technologie für das philosophische und theologische Nachdenken aufwirft. Die Schlussfolgerungen sollen zeigen, inwiefern wir die Technologie, wenn wir mit den Herausforderungen umgehen wollen, vor die sie uns stellt, vor allem nicht nur als Hilfsmittel, sondern auch als theologischen »Ort« begreifen müssen. Um das Heute zu leben, sind wir aufgerufen, die Glaubenswahrheiten so umzuformulieren, dass sie die »neuen Artefakte« und die mit ihnen verbundenen Herausforderungen erhellen und ihnen Sinn verleihen können.

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Naturwissenschaft und Kirche – in unversöhnbarem Gegensatz?

Burkard,Dominik

Gibt es eine Korrelation zwischen Religion/Konfession und Naturwissenschaft/Technik? Sowohl Untersuchungen zum »katholischen Bildungsdefizit« Mitte des 20. Jahrhunderts als auch die alte »leyenda negra« scheinen darauf hinzudeuten. Auch im Gründungsmythos der Naturwissenschaften spielt die Verurteilung des kopernikanischen Weltbildes durch das kirchliche Lehramt im 17. Jahrhundert eine zentrale Rolle. Die historischen Forschungen zur Römischen Inquisition in den vergangenen Jahrzehnten machen demgegenüber im Urteil zurückhaltender. Der Beitrag nimmt Motive und Kriterien in den Blick. Von einer systemimmanenten Wissenschaftsfeindlichkeit der Kirche wird man aufgrund der Befunde kaum sprechen können.

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Das Fortbestehen des Kolonialismus und die moderne Technologie

Kanyandago,Peter

Die moderne Technologie wird überwiegend mit der westlichen Zivilisation in Verbindung gebracht – sehr zum Schaden anderer Technologien. Der Artikel zeigt deshalb, dass die ägyptische Technologie im 3. Jahrtausend v. u. Z. sich in ihrer Präzision auf den Gebieten der Architektur und der Astronomie sowie in anderen Bereichen durchaus mit der modernen Technologie messen kann. Die Marginalisierung dieser Technologien und das damit zusammenhängende Fortdauern des Kolonialismus wurzelt vor allem in der anthropologischen Negation des Afrikanischen und anderer nichteuropäischer Kulturen durch die Prozesse der Kolonialisierung, Versklavung und Evangelisierung. Eine Lösung für dieses Problem könnte darin bestehen, Mittel einzusetzen, um das Menschsein und die Würde der Afrikanerinnen und Afrikaner wieder anzuerkennen und zu respektieren.

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Technologie und die Werte der Kultur

Pandikattu,Kuruvilla

Der britische Historiker Arnold Toynbee meint, der »indische Weg« oder ein »indischer Ausgang« sei die einzige Rettung für die Menschheit. Dieser Artikel möchte zeigen, dass der indische Weg im Wesentlichen ein spiritueller und philosophischer Weg ist, der sowohl erdverbunden als auch zukunftsoffen ist. Mit Blick auf die gegenwärtige technologische und kulturelle Revolution, einschließlich der Vierten Industriellen Revolution, plädiert der Autor für eine Theologie, die kritisch und kreativ mit der gegenwärtigen wissenschaftlichen Revolution umgeht. Nur wenn wir technologisch, ethisch und spirituell vorankommen, können wir uns als Menschen entfalten.

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Technologie im Dienst der Menschheit: Perspektiven für Genderaspekte und Inklusion

Bong,Sharon A.

Dieser Artikel stellt nicht nur infrage, wie wir unseren Platz in dieser Welt verstehen, sondern auch, was es bedeutet, ein Mensch im Verhältnis zu anderen Menschen, anderen Lebewesen und der Umwelt im Allgemeinen zu sein. Daher begibt die Autorin auf die Spurensuche nach ontologischen und theologischen Veränderungen durch den Mutterleib der kosmischen, materiellen und virtuellen Orte der Widersprüchlichkeit: erstens durch die Zentrierung des Menschen in der Schöpfung auf der Grundlage der Enzyklika Laudato Sí des Papstes; und zweitens die Dezentrierung des Menschen in der Schöpfung durch reproduktive Technologien, wie zum Beispiel künstliche Gebärmütter und ihre Folgen für die Ungeborenen, für Frauen und für schwangere (Trans)Männer.

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Verantwortung – alt oder neu?

Loh,Janina

Allenthalben wird der Sorge Ausdruck verliehen, dass dank der gegenwärtigen Herausforderungen der Digitalisierung und Automatisierung unserer modernen technisierten Massengesellschaft der Verantwortung ultimative Grenzen gesetzt sind. Wie verhält es sich mit der Verantwortung im globalen Finanzmarktsystem, wo Algorithmen am Werk sind, die noch nicht einmal mehr von den Algorithmikern, die diese programmiert haben, verstanden werden (zumindest behaupten diese das) oder mit der Verantwortung im Umgang mit autonomen Fahrassistenzsystemen? Dennoch scheint der Ruf nach Verantwortung zugleich mit ungebrochener Vehemenz zu erklingen. Im Artikel werden einige Überlegungen dazu angestellt, wie mit der Tatsache, dass wir offenkundig mit der Verantwortung ringen, umgegangen werden können.

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Toxische Kreativität, Tiefenzeit und moralisches Vergnügen: Ökospiritualität der Technologie

Erickson,Jacob J.

Die christliche ökologische Theologie steht der technologischen Kreativität normalerweise misstrauisch gegenüber. Die menschliche technologische Kreativität ist aufgrund der schwerfälligen anthropozentrischen Geschichte des Fortschritts und der menschlichen Herrschaft über die Umwelt häufig mitverantwortlich für ökologische Verschwendung und ökologischen Imperialismus. Wie können wir in der aktuellen Zeit, im Anthropozän, in dem wir uns befinden, für die menschliche technologische Entwicklung neue Wege finden, um zu einer Technologie zu finden, die sich wieder auf den Fluss des planetarischen Lebens konzentriert? Dieser Artikel stützt sich auf aktuelle »geologische« Trends in der Wissenschaft, wo Bereiche wie neue Medienwissenschaften und ökologische Geisteswissenschaften aufkommen, und plädiert für eine neue Ökospiritualität der Technologie. Eine »langsame« Spiritualität und Ethik in der Technologie könnte dazu beitragen, 1) über die Formen der körperlosen, toxischen Kreativität nachzudenken, die zu anhaltender Umweltzerstörung und ökologischem Imperialismus beitragen; 2) eine moralische Vorstellung des technologischen Fortschritts in der »Tiefenzeit« des Planeten einzurichten; und 3) der Fülle an Verzweiflung über die Umweltsituation sowie dem gemeinschaftlichen moralischen Vergnügen, das zum gegenwärtigen Zeitpunkt gebraucht wird, Beachtung zu schenken.

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