QUEER THEOLOGY - Zum queeren Leib Christi werden (5/2019)

So queer, wie es nur werden kann

Musskopf,André S.

Queer Theory oder Queer Studies haben sich in den 1990er-Jahren entwickelt, zwar in einem speziellen Kontext aber doch mit Auswirkungen auf verschiedene Wissenschaftsgebiete und mit neuen Formen, Themen bezüglich Sex, Geschlechtlichkeit und Sexualität auszudrücken. Dieser Beitrag rekonstruiert die historische Erscheinung und Entwicklung dieser Studiengebiete, ihre Beziehung zum politischen Aktivismus und zu neuen Wegen, sich mit Fragen der Identität zu befassen. Der Gebrauch des Konzepts oder des Terminus »queer« wird zusammen mit verwandten Konzepten diskutiert und in Beziehung zu verwandten Konzepten in anderen Kontexten gesetzt, ebenso wie die daraus resultierenden Folgen für die abgeleiteten theoretischen und methodologischen Modelle. Er soll eine kurze Einführung dazu darstellen, wie dieses Thema im Fachgebiet der Theologie präsentiert und diskutiert, und wie es in der sogenannten »Queer theology« konkret umgesetzt wird.

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Was ist Queer-Theologie?

Cornwall, Susannah

Das Wort »queer« wird manchmal wie ein Synonym für LSBT-Identitäten verwendet, manchmal aber auch wie ein Signal der Zurückweisung jeglicher Art von Identität. Unter den Queer-Theologien lassen sich zwei Hauptströmungen unterscheiden: befreiungstheologische und subversive Theologien. Oft sind sie verbunden mit einer durchgehenden Infragestellung von Normen aller Art, von Macht, Sprache und den Grenzen der Identität. Queer-Theolog*innen und -Interpret*innen lesen Aspekte der biblischen, historischen, moralischen, pastoralen, dogmatischen, systematischen und konstruktiven christlichen Theologie neu im Lichte des Lebens queerer Menschen, ihrer Anliegen und ihrer Politik. Und sie stellen sie in neue Bezugsrahmen. Dies schließt eine intersektionale Reflexion über ethnische Zugehörigkeit, Behinderung, Klasse und sozioökonomische Situation ein.

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Queer ist Gott

Murphy, Murph

Dieser Beitrag erkundet die Erfahrung Murphs, einer nichtbinären, queeren weißen Person, die in einer konservativen katholischen Gemeinde in den USA aufwuchs. Sie kam dazu, ihr Queer-Sein durch die Gemeinschaft, Bewegung und Tanz anzunehmen. Murphy erklärt die Art und Weise, wie sie queer fühlt und handelt, als eine göttliche Form des Widerstands, der Schöpfung und des Ausdrucks von Leben.

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Gottes Wille

Uchechukwu, Fr. Paul

Eine Lebensgeschichte, die von der Auseinandersetzung sowohl mit der religiösen als auch mit der sexuellen Identitätsfindung im afrikanischen Kontext berichtet. Dabei werden auch die erlebten und erfahrenen Herausforderungen und Inspirationen und Hoffnungen im Zusammenhang mit dem Weg in die Integration nicht verschwiegen.

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Brief eines Indios, der sich nicht festgelegt hat

Avendaño, Lukas

Hier wird in der ersten Person die Geschichte des Muxe-Seins erzählt. Das ist in der zapatekischen kulturellen Tradition im Südosten Mexikos etwas mehr als ein drittes Geschlecht. Es ist dies die Erzählung eines von der Kolonisierung befreiten Prozesses der Behauptung unterschiedlicher Subjektivitäten, in denen sich Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit und die Politik der Emanzipation von Körpern in der Diaspora überschneiden. Dieses reflektierende Zeugnis ist vom inneren Strom einer Spiritualität der Befreiung getragen, die seinsmächtige Metaphern und Worte für die und mit den anderen Subjektivitäten im Widerstand, im Aufruhr und in Hoffnung bereitstellen.

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Rabbinische Parabeln und das Queeren jüdischer Theologie

Kessler, Gwynn

Dieser Essay wendet Queer-Theorien der Geschlechterfluidität und Geschlechterperformativität bei der Interpretation rabbinischer Gleichnisse an. Zwar wurden rabbinische Gleichnisse immer schon auf ihre theologischen Erkenntnisse hin untersucht, aber bislang wurden sie noch nicht ins Gespräch gebracht mit dem Geschlechterverständnis, das aus der Queer-Theorie hervorgeht. Dieses Gespräch aber kann zeigen, dass eine solche Lesart der Gleichnisse – »queer reading« – eine unwiderstehliche Gegenerzählung zu den immer und ausschließlich rigiden, binären Geschlechterkonstruktionen in den rabbinischen Quellen ans Licht bringt. Rabbinische Gleichnisse, die Geschlechterfluidität, -vielfalt und -instabilität sichtbar machen, lassen etwas erahnen von einer queeren Theologie im Herzen des rabbinischen Verständnisses von Geschlecht, Gott und Israel.

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Die vielfachen Leiber Jesu

De Léon, Carmenmargarita Sánchez

Ist Jesu Leib neutral, asexuell? Wie können wir einen völlig männlichen Jesus begreifen? Welchen Einfluss hat ein Jesus der Männlichkeit, wie er im Leben der Gläubigen, im Leben der Kirche und im theologischen Denken gleichsam wie in einem Kerker eingeschlossen ist? Ist er Leib oder eine Vielzahl von Leibern? Wenn Jesus im vollen Sinne Mensch war, dann gibt es möglicherweise viel Spielraum, der den Gedanken zulässt, dass seine Inkarnation ein Werden und niemals ein abgeschlossener Prozess ist. In diesem Werden überrascht uns Jesus, er verdreht uns den Kopf und er erregt Ärgernis.

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Ekklesiologie: Zum queeren, postkolonialen, (öko-)feministischen Leib Christi in Asien werden

Bong, Sharon A.

Dieser Beitrag bietet eine ekklesiologische Dimension zu zwei Formen an, einen feministischen, queeren Christus in Asien zu verkörpern; die the Ecclesia of Women in Asia und die Free Community Church in Singapur sind sorgfältig in das Geflecht von postkolonialer, queerer und (öko-) feministischer Theorie und Theologie eingewoben. Der Beitrag stellt fest, dass eine Entfremdung oder »Queerung« (von Theologie, Anthropologie, Christologie und Ekklesiologie, die ja auch untereinander verwoben sind) notwendigerweise das, was verloren ging oder auch pervertiert wurde, wiederaufbaut und einsetzt, jetzt aber fassbarer geworden ist – eine Öffnung und Zunahme von Möglichkeiten, ein Leib Christi, dessen Erlösung für alle im Hier und Jetzt gilt, zu sein.

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»Kann aus Nazaret etwas Gutes kommen? Komm und sieh!«

Hadebe, Nontando

Queer-Theologien, die in Afrika entstehen, müssen sich mit der Frage auseinandersetzen, wie sie verschiedene Identitäten (afrikanisch, christlich, queer etc.) zusammenbringen können. Daher bezieht sich dieser Artikel auf die Unterhaltung zwischen Philippus und Natanael (Joh 1,45f.), in der einem Vorurteil (»Kann aus Nazaret etwas Gutes kommen?«) mit einer Einladung begegnet wird (»Komm und sieh!«), was in einer transformativen Begegnung mit Jesus mündet. Diese Einladung wird als Rahmen für einen Dialog zwischen queeren Theorien und afrikanischen Theologien vorgeschlagen.

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Die Liebe am Ende der Zeit

Méndez-Montoya, Ángel F.

Die Komplexität der Bedeutung von »queer« im Sinne eines inklusiven, dynamischen und eschatologischen (sich in ständigem Werden befindlichen) Körpers wirft einige theologische Fragen auf, die hier kurz und ein wenig lückenhaft behandelt werden sollen.

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Queere Liturgie

Salazar, Marilú Rojas

Die Performativität ist eines der entscheidenden Elemente dessen, was wir heute queere Liturgie nennen. Es geht um subversive, integrierende Handlungen in den heiligen Räumen, aus denen man die Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung und Identität, ihrer Hautfarbe, ihrer wirtschaftlichen Situation ausgeschlossen hat. Es kommt darauf an, der Ideologie das Ressentiment als eine antisystemische, antirassistische, antisexistische und antietatistische Haltung entgegenzusetzen. Als notwendig erweist sich die politisch-religiöse Einbeziehung der Erotik in die Liturgie, um diese zu befreien, denn dieser Raum wurde vom herrschenden hegemonialen Diskurs der Macht oder des Terrors gegenüber der Vielfalt der Rassen, Sexualitäten, Körper, Kulturen und für die Welt »fremden« Epistemologien in Beschlag genommen, die von einem Muster der Heteronormativität im Bereich der christlichen Theologie durchdrungen ist.

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Eine queere (Eröffnung der) Bibel

West, Gerald O. | Walt, Charlene van der

In diesem Artikel wird das Buch Genesis zum Ausgangspunkt für eine afrikanische queere Bibel-Trajektorie. Der Artikel bestimmt queere afrikanische Körper als Subjekte der Bibelinterpretation und zeigt, wie das Buch Genesis in realen afrikanischen Kontexten verwendet worden ist, um so eine queere Trajektorie in der Schrift auszumachen. Wir argumentieren, dass die Bibel einen Ort der Auseinandersetzung verschiedener konkurrierender Trajektorien bzw. Stimmen darstellt, von denen manche queer sind, besonders wenn von sozialen LGBTIQA+ Orten in Afrika gelesen wird.

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Queer Theologies im Islam

Shah, Shanon

Dieser Beitrag bedient sich einer postkolonialen Perspektive, um die Breite der queer theologies im Islam aufzuzeigen. Er betont die vielschichtigen Herausforderungen, die auftreten, wenn Geschlecht und Sexualität zu Verwerfungslinien in ideologischen Debatten werden, die einen »Zusammenprall der Zivilisationen« zwischen dem Islam und der westlichen Welt vorhersagen. Ich konzentriere mich auf die Konsequenzen dieses Zusammenprallparadigmas in der Erscheinung von muslimischen queer theologies in verschiedenen Kontexten, ich vergleiche und kontrastiere ihre wichtigsten Annahmen und Ansätze. Muslimische queer theologies bieten daher eine bedeutende Linse für die Analyse der verschiedenen Wettbewerbe von Macht und Politik innerhalb der zeitgenössischen Landschaft des Islam.

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Exilprobleme im Weltdorf und das politisch werdende Mitleid

Miramontes, Conrado Zepeda

Dieser Beitrag beschreibt die von christlich motivierten Nichtregierungsvereinigungen in Mexiko und Mittelamerika organisierte Sorge für Migranten, die gezwungen wurden, ihre Heimat zu verlassen. Bei der hier zu beobachtenden erzwungenen Migration handelt es sich um ein weltweit auftretendes Phänomen. Diese Sorge wird gelebt als Zeichen der Sendung zur Verkündung des Evangeliums unter den am schwersten verwundeten Gruppen von Menschen, die extremste Gewalt leiden. Und diese Sorge ist motiviert von einem politisch werdenden Mitleid.

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Wiederaufforstung der Wälder in Asien

Raluto, Reynaldo D.

Dieser Beitrag betont den intensiven Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und der Abholzung von Wäldern in Südostasien. Er betrachtet die Wiederaufforstung von Wäldern nicht nur als ein Mittel zur Milderung des Klimawandels, sondern auch als eine angemessene Wiedergutmachung der Sünden gegen die Werte der Ökologie. Er gibt zu bedenken, dass durch die Wiederanpflanzung von Bäumen einheimischer Arten, die durch die kolonialistische Behandlung unserer naturgewachsenen Wälder angerichteten Schäden wiedergutgemacht werden können.

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