Gewalt, Widerstand und Spiritualität (1/2020)

Akkumulation durch Raub und systemische Gewalt

Zibechi,Raúl

Die Formen der Gewalt, von denen die lateinamerikanischen Völker betroffen sind, stellen keine Ausnahmesituationen dar und sie sind auch nicht abhängig vom Verhalten einer Regierung oder von einer kritischen Situation. Wir haben es mit Formen struktureller Gewalt zu tun, die in einem Gesellschaftsmodell verwurzelt sind, deren zentrale Achse die Akkumulation durch Ausplünderung darstellt. Auf diese Weise zeigt zurzeit der Neoliberalismus sein wahres Gesicht. Die Militarisierung des alltäglichen Lebens, das organisierte Verbrechen und die Morde an Frauen müssen in diesem Kontext gesehen werden und können insgesamt als ein Krieg gegen die Völker und die Armen verstanden werden, in dem es darum geht, Gebiete mit dem Ziel zu erschließen, die gemeinsamen Güter zu Waren zu machen.

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Übergänge, Widerstände und Frauenbewegung: eine kolumbianische Sicht

Rodríguez,Gina Marcela Arias | Herrera,Luis Adolfo Martínez

Das aktuelle Übergangsszenario in Kolumbien hat zwischen aufgebrochenen und fortgesetzten Spiralen der Gewalt, zwischen friedensvertraglichen Versprechen und deren Nichterfüllung, zwischen Hoffnungen und Hindernissen beim Aufbau des Friedens vielfältige Spannungen zutage treten lassen. In diesem Szenario drängt die Mobilisierung der Zivilgesellschaft und drängen insbesondere die feministischen und Frauenbewegungen allen Anfeindungen zum Trotz beharrlich auf die Umsetzung des Vertrags und darauf, wirksame Mechanismen zum Aufbau eines weniger gewaltbeherrschten Landes zu finden.

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Die Sorge für das gemeinsame Haus

Figueroa,Gustavo Esteva

In diesem Essay übe ich Kritik an der Haltung, sich angesichts der ökologischen Problematik Regierungen und internationalen Organisationen zuzuwenden und nach globalen Lösungen zu verlangen. Ich möchte die Aufmerksamkeit auf Initiativen und Bewegungen lenken, die schon heute auf der ganzen Welt Sorge tragen für das gemeinsame Haus - und zwar an der Basis, d.h. dort, wo es möglich und sinnvoll ist.

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Die vielfältigen Kämpfe der Frauen

Abraham,Susan

Dieser Essay ist eine Reflexion über Formen des Frauenwiderstands, wie sie beim Runden Tisch auf der ¡Resiste!-Konferenz diskutiert wurden. Er spricht sich dafür aus, unter Frauen auf der ganzen Welt Bündnisse zu schließen und Solidarität aufzubauen, auch wenn die Erfahrungen von patriarchalischer Gewalt, Rassismus, Sexismus, Klassendenken und anderen Formen der Diskriminierung von Ort zu Ort verschieden sein mögen. Während sich postkoloniale Feminismen für transnationale feministische Gemeinschaften aussprechen, indem sie geopolitische Grenzen auflösen, denken südamerikanische Feministinnen, dass die Grenze genau dort ist, wo es zur weitesten Vorstellung von Leben kommt. Die Unterschiede zwischen den beiden Ansätzen lassen sich jedoch angesichts ihres gemeinsamen Engagements für das Wohlergehen von Frauen, Kindern, Armen und für das Leben auf dem Planeten überbrücken.

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Relationale Wissensbestände und Spiritualitäten in Abya Yala

Quispe,Sofia Chipana

Der vorliegende Beitrag behandelt die anzestralen Wissensbestände und Spiritualitäten von Abya Yala, die ein lebendiges Geflecht aus wechselseitigen Beziehungen bilden, die – ausgehend von der Weisheit vom Nähren des Lebens, die den entwurzelten Menschen wieder interaktiv in die Gemeinschaft des Lebens einbinden und ihn so befähigen kann, die Mutter Erde zu umsorgen und zu schützen – das Gleichgewicht und die Harmonie wiederherstellen.

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Theo-Quilombismus: Afro-brasilianische Formen spirituellen Widerstandes

Caldeira,Cleusa

Die afro-brasilianischen Formen spirituellen Widerstandes, die eingebettet sind in eine strukturell rassistische Gesellschaft, welche ihre Politik des Todes unter dem Deckmantel einer den Rassen dienenden Demokratie zu verstecken sucht, bewegen sich inmitten der Prozesse der Subjektivierung des bewussten Schwarz-Seins . Es ist ein paradoxer Prozess, der aufgrund der Gewalt, die unseren Leib durchdringt, einerseits schmerzhaft ist, und der andererseits Freude bereitet, weil wir nun daran gehen können, unsere Identität als afro-brasilianisches Volk aufzubauen. Dies ist ein Prozess, der auch wieder zur Geltung bringt, dass wir imago Dei, Abbild Gottes, sind, und das Entstehen einer neuen Menschheit in sich begreift.

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Vielfältige Gemeinschaften, denen die göttliche Ruach einwohnt

Zepeda,José de Jesús Legorreta

Die umfassende und facettenreiche Debatte über die Gemeinschaft und das Gemeinschaftliche in sozialen Bewegungen, Völkern und Kirchen des globalen Südens hat sich als Anklage und gleichzeitig als eine Spielart des Widerstands gegen die kapitalistische, unsolidarische und zerstörerische Logik der kolonialen Gegenwart erwiesen. Doch auch hier entstehen neue Formen von Gemeinschaft, die die Utopie, dass »eine andere Welt möglich« ist, auf eine breitere Basis stellen. Theologisch gesprochen muss man sich daher fragen, ob diese vielfältigen Suchen, in denen Arme, Ausgegrenzte und Verwundbare Widerstand leisten, nicht vielleicht andere epiphanische Orte sind, an denen bislang unbekannte Formen des Lebens im Geist entstehen.

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Widerstand, messianische Kraft der göttlichen Anarchie

Tapia,Juan Carlos La Puente

Geschichten vom Widerstand, die das Geheimnis der menschlichen Würde aufbewahren, werden als anfängliche Vorboten kommender Veränderungen, als Hoffnungszeichen in den Kontexten globaler Gewalt ins Gedächtnis gerufen und beschworen. Ich analysiere einen Wechsel der Zeitlichkeit in Verbindung mit einem epistemischen und anthropologischen Wandel. Diese drei Aspekte laden dazu ein, von den tiefsten Verletzungen aufgenommen zu werden, die am Nicht-Ort der Kreisläufe von Herrschaft, Verurteilung und Opfer schwelen, um dort die messianische Kraft der Erlösung zu empfangen.

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Vom Zweiten Vatikanischen Konzil zur Amazonas-Synode

Medina,Alfredo Ferro

Der »kairos«, den wir zurzeit aufgrund der Amazonas-Synode in der Kirche erleben, ist für uns der Impuls, in der weltweiten Kirche insgesamt neue Wege zu beschreiten, und zwar in der Kraft des Geistes, der im synodalen Prozess am Werk war, welcher sich auf eine Region wie Amazonien und die dort lebenden Völker bezog. Die Situation Amazoniens lädt die gesamte Kirche ein, aufmerksam auf den Schrei zu achten, der von dieser Region und ihrer Bevölkerung ausgeht, und zugleich spornt sie uns zu einer integralen Umkehr im pastoralen, ökologischen, kulturellen und synodalen Sinne an. Dies beinhaltet die Herausforderung, dass die Kirche eine Kirche des Aufbruchs und der Präsenz wird.

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Die Reform der Römischen Kurie

Brighenti,Agenor

Papst Franziskus bringt frischen Wind in die gegenwärtigen Reformprozesse der römischen Kurie. Er katalysiert den Wind, der aus südlicher Richtung weht, den Eurozentrismus durchwirbelt, der die zweite Hälfte des zweiten Jahrtausends geprägt hat. Mit der Reform der Kurie verändern sich das Petrusamt, die Zusammensetzung und das Profil des Kardinalskollegiums sowie die Beziehungen zu den Ortskirchen und den Bischofskonferenzen.

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